Erschienen in Ausgabe 3/4-2019Köpfe & Positionen

Ist Cannabis bei Multipler Sklerose medizinisch notwendig?

Von Dr. med. Rainer HakimiVersicherungsmedizin

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Der Neurologe eines 42-jährigen Patienten mit Multipler Sklerose beantragt die Behandlung mit Cannabis. Die Multiple Sklerose ist seit 2015 bekannt. Es liegt ein vorherrschend schubförmiger Verlauf mit Progression vor. Im letzten Jahr seien zwei neue spinale Herde hinzugekommen.

 

Der neurologische Befund zeigt keinen Meningismus und eine glatte Blickfolge bei freien NAP. Einbeinhüpfen ist nicht möglich. Der Patient hat eine leichte Paraspastik mit steifem Gangbild. Die Muskeleigenreflexe sind seitengleich. Keine Paramidenbandzeichen. Die Sensibilität ist ungestört.

 

In der Vergangenheit war eine Therapie mit NSAR und Morphinen aufgrund massiver Nebenwirkungen abgebrochen worden. Der Patient klagt über eine morgendliche Spastik der unteren Extremitäten. Der Neurologe beschreibt chronische unbeeinflussbare Schmerzen bei spinalen Herden.

 

Medikamentös wurde der Patient mit dem monoklonalen IgG1k-Antikörper Atemtuzumab behandelt. Zusätzlich erhielt er Physiotherapie sowie Akupunktur.

 

Ein MRT zeigte multiple supra- und infratentorielle Entmarkungsherde. Im Vergleich zur Voruntersuchung zeigten sich neu aufgetretene Läsionen im Gyros parazentralis sowie im subkortikalen Marklager rechts, am Hinterhorn, Vorderhorn sowie im Bereich des Pons.

 

Zusätzlich besteht eine massive Lumbago bei klinischen Zeichen eines Facettensyndroms im Bereich LWK 5/SWK 1 und LWK 4/5 bds. Aus diesem Grund wurde im Jahr 2017 bereits eine CT-gesteuerte Facettengelenkstherapie im Bereich LWK 4/5 und LWK 5/SWK 1 bds. durchgeführt – leider erfolglos.

Frage an den Gesellschaftsarzt

Ist die Behandlung mit einem Cannabispräparat medizinisch notwendig?

 

Die Behandlung mit Cannabis war bereits begonnen worden. Darunter ist es zu einer deutlichen Besserung der Schmerzen und einer leichten Besserung der Tetraspastik gekommen. Der Patient war mobiler und die nächtliche Miktion konnte beherrscht werden.

 

Unter der Behandlung mit Cannabis geht es dem Patienten deutlich besser. Die Schmerzen sind deutlich geringer. Der Patient hat enorm an Lebensqualität gewonnen und kann sogar seiner Arbeit nachgehen.

Beurteilung

Die medizinische Notwendigkeit der Behandlung mit Cannabis konnte im vorliegenden Fall anerkannt werden. Begründet ist dies mit einer gravierenden, unheilbaren Grundkrankheit sowie Schmerzen und Spastik, die unter der vorherigen Medikation nicht beherrschbar waren. Zudem hat eine Dauertherapie mit Morphin und NSAR zu massiven Nebenwirkungen geführt.

 

Aufgrund der spinalen Herde hat der…