Erschienen in Ausgabe 3/4-2019Köpfe & Positionen

Diagnostik und Therapie mit DMPS bei vermeintlicher Arsen- und Quecksilbervergiftung

Von Dr. med. Rainer HakimiVersicherungsmedizin

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Ein 61-jähriger Mann stellt sich in der Privatpraxis eines Sportorthopäden und Naturheilkundlers, der sich auch auf Kinesiologie, Osteopathie und Traditionelle Chinesische Medizin in einer norddeutschen Großstadt spezialisiert hat, vor. Der Patient klagt über Stimmungsschwankungen und eine Erschöpfungssymptomatik. Aus der Anamnese ist eine chronisch rezidivierende Pankreatitis bekannt.

 

Der naturheilkundlich tätige Arzt stellt zusätzlich einen Narbenstörherd der rechten Bauchwand und eine Darmdysbiose fest. Zusätzlich hat der Patient lt. der Privatpraxis eine chronische Refluxösophagitis und eine funktionelle Nebenniereninsuffizienz. Diese Konstellation von Befunden und Diagnosen lenkt bei dem naturheilkundlich tätigen Orthopäden den Verdacht zielgerichtet auf eine Arsen- und Quecksilbervergiftung.

 

Dementsprechend führt der Arzt einen sogenannten DMPS-Test mit Dimaval durch und untersucht den Urin auf Antimon, Arsen, Blei, Cadmium, Chrom, Kobalt, Kupfer, Nickel, Palladium, Quecksilber, Zink und Zinn. Nach diesem Schwermetallmobilisationstest wird tatsächlich ein steiler Anstieg von Kupfer und Zink im Urin nachgewiesen. In Bezug auf Arsen und Quecksilber wurden nur leicht erhöhte Werte gemessen. Trotzdem diagnostiziert der Arzt eine Quecksilber- und Arsenvergiftung und führt eine Behandlung mit dem Chelatbildner DMPS (Dimercaptopropansulfonsäure) durch.

FRAGE AN DEN GESELLSCHAFTSARZT

War die umfangreiche Labordiagnostik mittels DMPS-Test medizinisch notwendig?

Liegt eine Quecksilber- und Arsenvergiftung tatsächlich vor?

Ist die darauf ausgerichtete Infusionstherapie mit DMPS medizinisch notwendig?

Beurteilung des Gesellschaftsarztes

Beim Verdacht auf eine Vergiftung fragt man als Arzt zunächst einmal nach dem Vorliegen einer Exposition, denn: Ohne Exposition ist eine Vergiftung schlichtweg nicht möglich. Die Frage nach einer Exposition gegenüber Arsen oder Quecksilber wurde im vorliegenden Fall aber gar nicht gestellt, geschweige denn beantwortet.

 

Als zweites betrachtet man die Symptome der Vergiftung. Eine akute Arsenvergiftung macht sich mit Bauchschmerzen, Übelkeit und blutigem Durchfall sowie Erbrechen schnell bemerkbar. Es kommt zu Leber- und Nierenversagen mit Schockzustand und Koma mit zentraler Atemlähmung.

 

Bei der chronischen Arsenvergiftung kommt es zu Hauttumoren, Parästhesien und Lähmungserscheinungen, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen und Schwäche.

 

Eine akute Quecksilbervergiftung ist gekennzeichnet durch Übelkeit, Schwindel und…