Erschienen in Ausgabe 3/4-2019Politik & Regulierung

Biomechanik vs. medizinische Unterlagen: Der Unfallmechanismus alleine reicht nicht zur Regulierung einer HWS-Verletzung

Von Kerstin LeitnerVersicherungsmedizin

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EINFÜHRUNG

Die HWS-Verletzung, ICD-10-Code S13.4, wird mit einer Häufigkeit von über 17.000 Fällen pro Jahr als Entlassungshauptdiagnose codiert. Die Tendenz ist weiterhin ansteigend (10). Dabei triggern die Diagnosen entweder die DRG I68.D oder I68.E mit einer paritätischen Verteilung. Daraus ergibt sich ein mittlerer Kostenfaktor von 1400 € pro Fall. Sie verursacht alleine im stationären Bereich Kosten von ca. 2,4 Mrd € pro Jahr.

Es ist davon auszugehen, dass der größte Teil der HWS-Distorsionen im Rahmen von Verkehrsunfällen entsteht. Dadurch wird ein großer Teil dieser Kosten bei den Kraftfahrthaftpflichtversicherern regressiert.

Von den stationären Behandlungsfällen sind die ambulant betreuten HWS-Distorsionen geringen Schweregrades abzugrenzen. Die Auswertung von 1165 solcher Fällen eines Versicherers konnte zeigen, dass durchschnittliche Gesamtkosten von 850 € pro Fall entstehen, davon 400 € Schmerzensgeld.

Verwaltungskosten sind in dieser Rechnung nicht erfasst.

Es ist auch unklar, welche Sekundärkosten durch die Diagnose S13.4 entstehen, d. h. wie viele der Beantragungen hier in das Klageverfahren hineingehen und welche Kosten dadurch verursacht werden. Das Ziel muss es sein, einen gerechten und juristisch weitgehend sicheren Weg zu finden, die Ablehnung bzw. Anerkennung von HWS-Distorsionen als Unfallfolge zu sichern.

Biomechanik vs. medizinische Unterlagen: Der Unfallmechanismus alleine reicht nicht zur Regulierung einer HWS-Verletzung Summary

Zusammenfassung

Die HWS-Distorsion geringen Schweregrades mit ambulanter Behandlungsnotwendigkeit verursacht aufgrund der Häufigkeit der Fälle hohe Verwaltungs- und Bearbeitungskosten. Unter Beachtung von Fahrzeugdeformierung und medizinischen Daten der Primärversorgung wurde versucht, ein Algorithmus zu entwickeln, der Entscheidungen zur Ablehnung oder Anerkennung von HWS-Distorsionen als Unfallerstschaden erleichtern soll. Dieser Algorithmus wird vorgestellt.

Summary

The low severity of HWS distraction with outpatient treatment necessitates high administration and processing costs due to the frequency of cases. Considering vehicle deformation and primary care medical data, an attempt was made to develop an algorithm that would facilitate decisions to reject or recognize spinal cord distortion as accidental damage. This algorithm is presented.

METHODE

Aufgrund biomechanischer Untersuchungen wurde eine sog. Harmlosigkeitsgrenze für HWS-Distorsionen bei einer Veränderung der Geschwindigkeit (Delta v…

Fahrzeugdeformierung · HWS-Distorsion · Unfallerstschaden · Cervical Spine Distortion · vehicle deformation · acute accidental damage