Erschienen in Ausgabe 3-2019Trends & Innovationen

Aktuelle Diagnostik und Therapie des Benignen Prostatasyndroms

Von Dr. med. Alexander TamalunasVersicherungsmedizin

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EINFÜHRUNG

Klinik

Das benigne Prostatasyndrom (BPS) ist eines der häufigsten Krankheitsbilder des Mannes und betrifft bis zu 612 Mio. Männer weltweit [1]. Jährlich belaufen sich die Kosten auf bis zu 5 Mrd. US-Dollar weltweit, was zeigt, dass eine adäquate medikamentöse oder chirurgische Therapie für Patienten mit BPS unabdingbar ist [2, 3]. Durch den demographischen Wandel in der Gesellschaft steigt zunehmend die Prävalenz benigner Prostataerkrankungen bei mit dem Lebensalter steigender Inzidenz und zeigt so die erhebliche versicherungsmedizinische Relevanz dieser Erkrankung [4, 5].

 

Das klinische Erkrankungsbild der obstruktiven und irritativen Miktionsstörungen des unteren Harntraktes wird in dem englischen Begriff der LUTS „lower urinary tract symptoms“ („Symptome des unteren Harntraktes“) zusammengefasst. Die LUTS beschreiben einerseits „Blasenentleerungsstörungen“ und andererseits „Blasenspeicherstörungen“ [6, 7]. Als Ursache liegt der Blasenauslass- oder -entleerungsstörung meist eine Obstruktion durch eine gutartige Vergrößerung der Prostata („benign prostatic enlargement“, BPE) zugrunde, die zu einem erhöhten Widerstand des Blasenauslasses („bladder outlet obstruction“, BOO) führt. [6, 8, 9]. In diesem Fall spricht man von einem Benignen Prostatasyndrom (BPS) [7, 8]. Symptomatisch äußert sich dieses in einer prolongierten Miktion, postmiktionellem Nachträufeln, Restharnbildung, Pressmiktion und Harnstrahlunterbrechung während der Miktion [10,11]. Bei Speicherstörungen liegt meistens eine überaktive Blase (overactive bladder, OAB) zugrunde [12]. Symptome sind imperativer Harndrang mit oder ohne Dranginkontinenz, verbunden mit Pollakisurie und/oder Nykturie sowie Harninkontinenz [12]. Die Symptome können unterschiedlich ausgeprägt sein und führen, abhängig vom Leidensdruck der Betroffenen, zu erheblichen Einbußen der Lebensqualität bis hin zu sozialem Rückzug und Depressionen [7, 12, 13]. Vor Initiierung einer Therapie sollten daher immer die verschiedenen Ausprägungen von LUTS, BOO und BPE erhoben werden (s. Abb. 1: Schema der Zusammenhänge).

 

Die Speicher- und Entleerungsstörungen der LUTS betreffen große Teile der Bevölkerung. Ein BPS liegt bei mindestens 40 % der 50–60-jährigen männlichen Bevölkerung bzw. bei etwa 80 % der 80-jährigen Männer vor. Mehr als die Hälfte der Betroffenen wird dabei symptomatisch [6, 14, 15]. Eine überaktive Blase liegt bei ca. 13 % der Frauen und 11 % der Männer in der über 18-jährigen Bevölkerung vor, wobei die…

Benignes Prostatasyndrom (BPS) · Benigne Prostatahyperplasie (BPH) · subvesikale Obstruktion · Symptome des unteren Harntrakts (LUTS) · medikamentöse BPH-Therapie · operative BPH-Therapie · Kombinationstherapie BPS · Chirurgische Therapie des BPS