Erschienen in Ausgabe 2-2019Köpfe & Positionen

Ist Revlimid bei Multiplem Myelom medizinisch notwendig?

Von Dr. med. Rainer HakimiVersicherungsmedizin

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Ein 66-jähriger Patient befindet sich wegen eines Multiplen Myeloms Stadium III A nach Durie und Salmon in Behandlung einer Praxis für Hämatologie und Onkologie. Vorausgegangen war eine monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS). Nach Übergang in ein Multiples Myelom Stadium III A wurde eine 20%ige Knochenmarksinfiltration und ein therapiebedürftiger Anstieg der Myelomparameter festgestellt.

Zunächst erfolgten drei Therapiezyklen nach dem VCD-Schema (Bortezomib/Cyclophosfamid/Dexamethason) mit einem zunächst sehr guten Therapieansprechen.

Der Patient lehnte eine Hochdosistherapie mit autologer Stammzelltransplantation strikt ab und erlitt unter der VCD-Therapie eine ausgeprägte Polyneuropathie. Deshalb wurde die Therapie auf Revlimid und Dexamethason umgestellt. Bei gutem Therapieansprechen wurden zunächst vier Zyklen Revlimid/Dexamethason verabreicht.

FRAGE AN DEN GESELLSCHAFTSARZT

Ist die Behandlung mit Revlimid medizinisch notwendig?

21 Hartkapseln Revlimid 25 mg kosten 8054 Euro. Die hohen Kosten waren der Auslöser für die versicherungsmedizinische Anfrage.

Leider lagen im vorliegenden Fall nur wenige Befunddaten vor, letztlich nur ein kurzer Befundbericht aus einer hämato-onkologischen Praxis.

Kennzeichnend im Stadium III A nach Durie und Salmon sind mindestens eines der folgenden Kriterien: Kalzium über 3,0 mmol/l, Hämoglobin unter 8,5 g/dl, IgG > 70 g/l, IgA > 50 g/l, Leichtkettenausscheidung im Urin > 12 g pro 24 h oder mehr als zwei Osteolysen. Der Zusatz A bedeutet, dass das Kreatinin unter 2 mg/dl liegt.

Vorausgegangen war eine Therapie nach dem VCD-Schema, die wegen Polyneuropathie abgebrochen wurde.

Revlimid ist zugelassen zur Behandlung des Multiplen Myeloms als Monotherapie für die Erhaltungstherapie von erwachsenen Patienten mit neu diagnostiziertem Multiplen Myelom nach einer autologen Stammzelltransplantation, oder als Kombinationstherapie für die Behandlung von Patienten mit unbehandeltem Multiplen Myelom, die nicht transplantierbar sind. In Kombination mit Dexamethason ist Revlimid zugelassen für die Behandlung von Patienten mit Multiplem Myelom, die mindestens eine vorausgegangene Therapie erhalten haben.

Letzteres war hier der Fall.

BEURTEILUNG DES GESELLSCHAFTSARZTES

Revlimid kann somit im vorliegenden Fall eindeutig als medizinisch notwendig angesehen werden, solange eine Wirksamkeit vorhanden ist. Bei Progression muss die Therapiestrategie neu überdacht werden.

 

Literatur beim Verfasser

 

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