Köpfe & Positionen

Notizen vom Tage 

Von Dr. med. Gerd-Marko Ostendorf

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PSYCHISCHE PROBLEME GEFÄHRDEN DEN TRANSPLANTATIONSERFOLG

Die Verpflanzung eines Organs findet immer in einer Krisensituation statt, die nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche des Empfängers betrifft. Meist geht der Transplantation eine lange Phase schwerer Erkrankung voraus mit Klinikaufenthalten, Abhängigkeit von Maschinen, Ungewissheit und Todesangst. Unbehandelte psychische Probleme und andere ungünstige psychosoziale Faktoren, etwa unrealistische Erwartungen an den Eingriff, können ein Grund sein, weshalb das transplantierte Organ abgestoßen wird.

Zur Frage, wie Transplantatempfänger und Lebendorganspender psychosozial vor und nach der Operation begleitet werden sollten, entwickeln Experten derzeit in einer neuen S3-Leitlinie, die ab 2020 wissenschaftlich fundierte, praxisorientierte Handlungsempfehlungen geben soll. Über das Thema berichteten Experten auf dem Deutschen Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie vom am 20. bis 22. 3. 2019 in Berlin.

Die Wartelisten für die oft lebenswichtigen Organe sind lang, und bei der Vergabe stehen körperliche Kriterien im Vordergrund. „Zu einem nicht unerheblichen Teil hängt der Erfolg der Transplantation und der Erhalt des Organs jedoch auch von psychosozialen Faktoren ab“, erklärte Prof. Dr. Martina de Zwaan, Direktorin der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover und Koordinatorin der Leitlinie. Je nach Untersuchung leiden etwa 25 bis 60 % der potenziellen Transplantatempfänger unter schwerwiegenden psychischen Problemen wie Angststörungen und Depressionen.

„Bei Transplantierten mit solchen Störungen sind Abstoßungsreaktionen häufiger, die Lebensqualität geringer und die Sterblichkeit erhöht“, sagte de Zwaan. Auch andere Faktoren, etwa unrealistische Erwartungen an den Eingriff, ungünstiges Gesundheitsverhalten, schwerwiegende berufliche Probleme oder ein fehlendes soziales Netzwerk wirkten sich ungünstig auf den Erfolg der Transplantation aus.

Wer ein Organ erhalten hat, ist danach nicht etwa gesund; vielmehr müssen Transplantierte lebenslang ein strenges Medikamentenregime beachten und mit teils erheblichen Nebenwirkungen leben. „Eine große Herausforderung nach Transplantationen stellt deshalb die sogenannte Non-Adhärenz dar, also der Umstand, dass Patienten die Medikamente, die vor einer Abstoßung des Organs schützen sollen, nicht gewissenhaft einnehmen oder Untersuchungstermine nicht wahrnehmen“, so de Zwaan. Dann gerät der Transplantationserfolg…