Erschienen in Ausgabe 2-2019Köpfe & Positionen

Ist stationäre Behandlung zum Saftfasten medizinisch notwendig?

Von Dr. med. Rainer HakimiVersicherungsmedizin

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Ein 53-jähriger Patient mit metabolischem Syndrom und Steatosis hepatis, arterieller Hypertonie, Adipositas Grad 3 und Hyperurikämie sowie labilem Diabetes mellitus befand sich 11 Tage stationär in einer Klinik für Naturheilkunde.

FRAGE AN DEN GESELLSCHAFTSARZT

War diese stationäre Behandlung medizinisch notwendig?

Es ist zu eruieren, dass der Patient in den letzten Jahren eine schleichende Gewichtserhöhung von 30 kg bemerkt habe und es zu beginnenden Blutzuckerentgleisungen gekommen sei. Der Hausarzt habe eine Fettleber diagnostiziert und erhöhte Leberwerte festgestellt. Da der Patient in Asien tätig sei und dort eine gut bezahlte Arbeitsstelle habe, sei es ihm nicht möglich für eine regelmäßige und gesundheitsbewusste Nahrungsaufnahme zu sorgen. Er habe schon mehrfach versucht mit Diäten sein Gewicht zu reduzieren. Dies sei ihm aber nicht gelungen. Lediglich einmal habe er infolge der Einnahme von Appetittzüglern 10 kg abgenommen.

Er habe seit einer Verletzung Beschwerden im LWS-Bereich sowie nächtliche Wadenkrämpfe. Er habe Schmerzen, die er auf der visuellen Analogskala mit 3 von 10 Punkten angibt.

Aus beruflichen Gründen habe er viele Geschäftsessen; er schlafe 5–6 h pro Tag, was ausreiche, und trinke 0,5 l Wein täglich.

Bei der körperlichen Untersuchung befindet sich der Patient in gutem Allgemeinzustand und adipösem Ernährungszustand mit einem BMI von 40. Es besteht eine venöse Insuffizienz an den Unterschenkeln mit Stauungsdermatose. Herz und Lunge sind auskultatorisch unauffällig. Die Wirbelsäule ist druck- und klopfschmerzfrei mit einem Fingerbodenabstand von 30 cm. Die Gamma-GT ist mit104 Units erhöht, die GOT auf 60 und die GPT auf 108 erhöht. Leicht erhöht sind Gesamtcholesterin und LDL bei normalem HDL.

Während der stationären Behandlung wurde ein 8-tägiges Saftfasten nach Buchinger durchgeführt. Der Patient erhielt zusätzlich Krankengymnastik und wurde mit Mind-Body-Medizin behandelt. Er nahm an der Varizengruppe, Yoga-Gruppe, Frühsportgruppe, Schwimmgruppe, Unterwasserbewegungsgruppe und der Atemtherapiegruppe teil. Der Patient erhielt auch eine psychologische Einzelberatung und eine Ernährungsberatung. Diese Therapie wurde als naturheilkundliche Komplextherapie bezeichnet. Offenbar konnte der Patient von den Wassertherapien und auch von den aktivierenden Bewegungstherapien, aber vor allem vom Saftfasten profitieren und hat eine Gewichtsabnahme von 8 kg erreicht.

Er wurde in gebessertem Allgemeinzustand in die ambulante Betreuung entlassen.