Erschienen in Ausgabe 1-2019Köpfe & Positionen

Problemfall Kinderwunschbehandlung

Von Dr. med. Rainer HakimiVersicherungsmedizin

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Ein 40-jähriger Mann und seine 39-jährige Ehefrau begehren die Kostenübernahme einer Kinderwunschbehandlung mit der Methode der ICSI (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion).

Bisher war ein Versuch einer künstlichen Befruchtung mittels IVF (In-vitro-Fertilisation) erfolgt. Die Kosten waren von der privaten Krankenversicherung der Ehefrau vollständig übernommen worden.

Nun habe sich das Spermiogramm des bei uns versicherten Mannes verschlechtert und es sei eine ICSI-Behandlung erforderlich, die auch schon durchgeführt worden sei. Die Kosten dafür werden von der privaten Krankenversicherung der Ehefrau abgelehnt.

FRAGEN AN DEN GESELLSCHAFTSARZT

Ist die Kinderwunschbehandlung medizinisch notwendig? Wer ist der Verursacher?

Die medizinischen Unterlagen zeigen folgende Befunde: Die gynäkologische Anamnese war unauffällig. Labormedizinisch zeigten sich keine Hinweise auf eine Chlamydieninfektion.

Die endokrinologische und sonographische Basisdiagnostik der Frau ergaben keine Auffälligkeiten. Beim Clomifentest zeigte sich eine ausreichende Corpus luteum Funktion. Eine Chromolaparoskopie hatte bereits im Vorfeld Hinweise auf einen intramuralen Tubenverschluss rechts und eine erheblich verzögerte Blauausscheidung auf der linken Seite gezeigt.

Somit wurde bei seit drei Jahren ungeschütztem Geschlechtsverkehr eine primere Sterilität bei Tubenverschluss rechts und eingeschränkter Tubenpassage links seitens des behandelnden Frauenarztes festgestellt.

Beim Mann zeigten sich Normalwerte von FSH, LH und Testosteron. Der Urinbefund war unauffällig, die Anlage einer Spermakultur ergab ebenfalls keinen pathologischen Befund.

Das erste Spermiogramm zeigte eine Spermienkonzentration von 187 Mio/ml bei 25 % schnell progressiv beweglichen Spermatozoen (A-Motilität), 10 % progressiv beweglichen Spermatozoen (B-Motilität), 5 % nicht progressiv beweglichen Spermatozoen (C-Motilität) und 60 % unbeweglichen Spermatozoen (D-Motilität).

Die Untersuchung der Morphologie ergab 5 % normal geformte Spermien. Insgesamt ergab sich laut den aktuellen WHO-Normwerten für Spermiogramme ein normales Spermiogramm.

In einem Spermiogramm, das elf Monate später durchgeführt wurde, ergaben sich folgende Befunde: Spermienkonzentration: 69 Mio/ml; 30 % schnell progressiv bewegliche Spermatozoen (A-Motilität), 5 % langsam progressiv bewegliche Spermatozoen (B-Motilität), 5 % lokal bewegliche Spermatozoen (C-Motilität), 60 % unbewegliche Spermatozoen (D-Motilität), Morphologie: 5 % normal geformte…