Erschienen in Ausgabe 1-2019Köpfe & Positionen

Buchbesprechung Neurowissenschaftliche Begutachtung. Gutachten in Neurologie und nicht-forensischer Psychiatrie

Von Versicherungsmedizin

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Von Bernhard Widder und Peter W. Gaidzik (Hrsg.)

(Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 3. Aufl. 2018, 689 S., 75 Abb., zahlreiche Tab., geb., ISBN 978-3-13-140703-0, 169,99 Euro)

 

In der 2. Auflage noch „Begutachtung in der Neurologie“ genannt, ist das von Widder und Gaidzik herausgegebene Standardwerk jetzt in dritter, grundlegend überarbeiteter und erweiterter Auflage erschienen. Wie die Herausgeber erklären, ist der neue Titel bedingt durch die zunehmende Berücksichtigung psychiatrisch-psychosomatischer Themen. So sind – neben der Bewertung psychischer Unfallfolgen – weitere Kapitel hinzugekommen über die Begutachtung bei Depressionen, Angststörungen sowie somatoformen und dissoziativen Störungen.

Das hervorragende Werk bietet eine Fülle von Informationen, von den rechtlichen Grundlagen der Begutachtung über praktische Hinweise zur Gutachtenerstellung und ausführliche Erörterung der Begutachtung in den verschiedenen Rechtsgebieten bis zur ausführlichen Zustands- bzw. Zusammenhangsbegutachtung zahlreicher neurologischer bzw. psychiatrischer Krankheitsbilder. Zum Abschluss finden sich eigene Kapitel über Besonderheiten der Begutachtung in Österreich sowie in der Schweiz und gutachtliche Bewertungstabellen. Das Buch kann zudem auf der Onlineplattform des Thieme Verlags kostenlos freigeschaltet werden. Auch finden sich im Text zahlreiche QR-Codes, welche schnellen Zugriff auf ergänzendes Onlinematerial erlauben.

Aus Sicht der Privatversicherung ist besonders erfreulich, dass auf die Besonderheiten der privaten Krankenversicherung (einschl. Krankentagegeld- und Krankenhaustagegeldversicherung), der (privaten) Berufsunfähigkeitsversicherung, der privaten Unfallversicherung und der Haftpflichtversicherung in eigenen Unterkapiteln jeweils ausführlich eingegangen wird. So heißt es beispielsweise auf S. 160 bei der privaten Krankenversicherung zur Frage, ob bei alternativmedizinischer Behandlung der Gutachter selbst ein Verfechter der strittigen Behandlungsmethode sein müsse (sogenannte Binnentheorie):

„Die Rechtsprechung ist jedoch überwiegend der gegenteiligen Meinung gefolgt und möchte die Notwendigkeit einer Heilbehandlung aus der Perspektive der Schulmedizin beurteilt sehen. Dabei sind aber auch noch nicht abschließend gesicherte Kenntnisse zu berücksichtigen.“

Gerade für die Berufsunfähigkeitsversicherung und die Krankentagegeldversicherung sind etwa das Kapitel zur Begutachtung der Kraftfahreignung sehr interessant sowie auch die grundsätzlichen Ausführungen…