Erschienen in Ausgabe 1-2019Köpfe & Positionen

Behandlung einer angeblichen Schwermetallbelastung mit Chelat-Infusion

Von Dr. med. Rainer HakimiVersicherungsmedizin

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Eine 42-jährige Patientin begab sich in Behandlung einer Arztpraxis für Umweltmedizin und Integrative Medizin. Grund für die Vorstellung in der Praxis war eine ausgeprägte Erschöpfung, verbunden mit Schlaflosigkeit und Schwellungen an den Fingergelenken.

Der Arzt stellte eine „erhebliche Schwermetallbelastung“ fest und behandelte die Patientin mit über 20 Infusionen eines Chelatbildners.

Weil die Infusionen von der Patientin nicht gut vertragen wurden und zu Übelkeit, Schwindel und tagelanger Schwäche geführt hatten, wurde zusätzlich mit Taurin, Carnosin und einer Elektrolytlösung behandelt.

FRAGE AN DEN GESELLSCHAFTSARZT

Ist die Schwermetallbelastung gesichert und waren Diagnostik und Therapie medizinisch notwendig?

Bei der Recherche ergab sich kein Hinweis darauf, dass die VN beruflich oder privat irgendeiner Exposition von Schwermetallen unterlag. Ohne eine entsprechende Exposition ist eine Schwermetallbelastung ungewöhnlich und auch sehr unwahrscheinlich, aber nicht vollständig ausgeschlossen.

Deshalb wurde zunächst überprüft, wie die Diagnose gesichert wurde. Der behandelnde Arzt machte keine näheren Angaben dazu, welche Schwermetalle zu einer Schwermetallbelastung geführt haben sollten.

Aus den Laboruntersuchungen ergab sich, dass offenbar ein DMPS-Test für 20 verschiedene Schwermetalle durchgeführt worden war. Dabei handelt es sich um einen Expositionstest, bei dem die Konzentration der entsprechenden Schwermetalle nach der Gabe des Chelatbildners DMPS (Dimercaptopropansulfonsäure) im Urin untersucht wird. Beim DMPS-Test wird DMPS entweder oral, in Form einer Kapsel, oder als intravenöse Infusion verabreicht. DMPS mobilisiert Quecksilber und andere Schwermetalle aus den Organen und führt zu einer sogenannten „Ausleitung“ mit dem Urin. Bei vielen Probanden ist deshalb die Quecksilber- und Schwermetallkonzentration im Urin nach der Gabe von DMPS auch tatsächlich höher als zuvor. Dies ist jedoch kein verlässlicher Hinweis darauf, dass wirklich eine Schwermetallbelastung vorliegt. Deshalb ist die Nutzung von DMPS als Diagnostikum in Deutschland gar nicht zugelassen.

Der DMPS-Test ist zudem in der Diagnostik von Schwermetallbelastungen wissenschaftlich nicht anerkannt, da es keine Studien von akzeptablem wissenschaftlichem Niveau gibt, die die diagnostische Verwertbarkeit des DMPS-Tests belegen. Der DMPS-Test führt stattdessen bekannterweise regelmäßig zur Fehldiagnose von Schwermetallbelastungen und -vergiftungen.

Anhand des diagnostisch nicht…