Erschienen in Ausgabe 4-2018Köpfe & Positionen

Wann ist die Behandlung mit Testosteron medizinisch notwendig?

Aus der HALLESCHE Krankenversicherung, Stuttgart (Leitender Gesellschaftsarzt Dr. Rainer Hakimi)

Von Dr. med. Rainer HakimiVersicherungsmedizin

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.

Ein 49-jähriger Patient stellt sich bei seinem Urologen wegen Antriebschwäche, Libidoverlust und zunehmendem Bauchansatz vor.

Der Urologe diagnostiziert eine hormonelle Dysfunktion mit Testosterondefizit bei V.a. hypophysärem Hypogonadismus und verordnet Tostran 2 % Gel.

FRAGE AN DEN GESELLSCHAFTSARZT

Ist die Behandlung mit Testosteron-Gel medizinisch notwendig?
 

Testosteron ist ein Sexualhormon, das sowohl beim Mann, als auch bei der Frau vorkommt – allerdings in völlig unterschiedlichen Konzentrationen. Testosteron hat eine Fülle von Funktionen, wie Ausbildung des männlichen Phänotyps, Wachstum von Muskelmasse, Anregung der Spermienproduktion und Entwicklung der männlichen Körperbehaarung, um nur einige zu nennen.

In den letzten Jahren haben sich die Anfragen zur medizinischen Notwendigkeit von Testosteron um mehrere 100 % gesteigert. Die Behandlung mit Testosteron ist heutzutage einerseits teilweise eine Modeerscheinung, teilweise aber auch aufgrund eines symptomatischen Testosteronmangelsyndroms medizinisch notwendig und gut begründet.

 

Kontraindikationen und Nebenwirkungen

Eine Behandlung mit Testosteron sollte nur dann durchgeführt werden, wenn sie nach objektiven Kriterien medizinisch notwendig ist. Da Testosteron heutzutage teilweise auch als Modedroge gilt, ist dies nicht immer der Fall.

 

Die Behandlung mit Testosteron hat folgende Kontraindikationen:

  • (Androgenabhängiges) Prostatakarzinom oder Mammakarzinom beim Mann (bereits der Verdacht auf eine solche Erkrankung gilt als Kontraindikation)
  • Frühere oder bestehende Lebertumoren

Anwendungsbeschränkungen bestehen bei Migräne und Epilepsie sowie bei schwerer Herz-, Leber- oder Niereninsuffizienz sowie bei ischämischer Herzerkrankung und bei Krebspatienten, bei denen aufgrund von Knochenmetastasen ein erhöhtes Risiko für eine Hyperkalzämie besteht. Nebenwirkungen sind Veränderung der Libido, Libidosteigerung, aber auch Depression, Reizbarkeit, vermehrte Aggression, Hyperhidrosis, thorakale Schmerzen, Schwindel, Hypertonie und Pruitus, Nervosität, Kopfschmerzen, Übelkeit, Diarrhoe, abnormale Leberfunktionstests, Gynäkomastie, Muskelkrämpfe, Hautveränderungen wie Akne, Alopezie oder Seborrhoe, Gewichtszunahme, Ödeme, Schlafapnoe, Polyzythämie, Anstieg des Hämatokrits, Verminderung der Spermatogenese mit Abnahme der Hodengröße, Priapismus, aber auch Harnverhalt und Prostatakarzinom.

 

Symptomatik

In Bezug auf die Symptomatik hat sich der AMS-Fragebogen zur Männergesundheit hinreichend bewährt. Dieser…