Erschienen in Ausgabe 4-2018Köpfe & Positionen

Notizen vom Tage: Neue Konzepte der Immuntherapie bei Darmkrebs

Von Dr. med. Gerd-Marko OstendorfVersicherungsmedizin

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Bei einigen Krebsarten – beispielsweise beim Lungenkrebs oder Melanomen – wurden mit der Immuntherapie in jüngster Zeit bahnbrechende Erfolge erzielt; beim kolorektalen Karzinom dagegen kann die Immuntherapie bisher nur in einer kleinen Minderheit der Fälle eingesetzt werden. Bei dieser Subgruppe sind die Erfolgschancen jedoch sehr gut und gerade Patienten, die bisher eine sehr schlechte Prognose hatten, profitieren davon, wurde auf der Vorab-Pressekonferenz am 4. 9. 2018 in Berlin zum Kongress „Viszeralmedizin 2018“ berichtet.

Mit etwa 60.000 Erkrankungen pro Jahr ist Darmkrebs die dritthäufigste Krebsform in Deutschland. Die Behandlungsergebnisse haben sich in den letzten Jahren zwar sehr verbessert, doch noch immer sterben jedes Jahr etwa 25.000 Patienten an bösartigen Tumoren von Dick- und Mastdarm.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass eine Krebserkrankung umso eher auf eine Immuntherapie anspricht, je mehr Genmutationen die bösartigen Zellen gegenüber gesunden Zellen aufweisen. Die Mehrheit der kolorektalen Karzinome weist in ihrem Erbgut vergleichsweise wenige Mutationen und folglich eine geringe Immunogenität auf. Eine Subgruppe von Tumoren jedoch, solche mit sogenannter Mikrosatelliten-Instabilität (MSI), weist zahlreiche Mutationen auf. Bei diesen Tumoren ist das Reparatursystem für Mutationen defekt. Dies führt zur Bildung veränderter Proteine, die als sogenannte Neoantigene die Aufmerksamkeit des Immunsystems auf die Krebszellen lenken.

„Spezialisierte Abwehrzellen des Immunsystems dringen dann in den Tumor ein und zerstören Krebszellen, die sich durch das Neoantigen ausweisen“, erläutert Prof. Dr. Wolfgang Schepp, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Gastroenterologische Onkologie am Klinikum Bogenhausen in München und Präsident der „Viszeralmedizin 2018“.

Daher ist derzeit die Immuntherapie beim kolorektalen Karzinom bei solchen Patienten besonders erfolgversprechend, deren Tumorzellen MSI aufweisen. Für fortgeschrittene Darmkrebstumoren mit einer hohen Mikrosatelliten-Instabilität („MSI-high“) wurde 2015 in den USA ein erstes Immuntherapie-Medikament zugelassen – gleichzeitig das erste für einen Tumor des Verdauungstrakts.

Dabei handelt es sich um den Checkpoint-Inhibitor Pembrolizumab. Checkpoint-Inhibitoren lösen eine natürliche Bremse des Immunsystems und sorgen so dafür, dass der Krebs für das Immunsystem sichtbar wird und besser durch den eigenen Körper bekämpft werden kann. Pembrolizumab konnte diese speziellen…