Erschienen in Ausgabe 4-2018Trends & Innovationen

Das Prostatakarzinom – Screening, Diagnostik und Therapie

Von Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Daniel Eberli und Dr. med. Benedikt KranzbühlerVersicherungsmedizin

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DAS PROSTATAKARZINOM

In der Schweiz ist das Prostatakarzinom die bei Männern häufigste Tumorerkrankung und die zweithäufigste tumorbedingte Todesursache nach dem Bronchialkarzinom [1]. Pro Jahr erhalten ungefähr 6000 Schweizer Männer die Diagnose Prostatakarzinom. Die Anzahl neu diagnostizierter Prostatakarzinome bleibt bei Männern im Alter zwischen 65 und 85 Jahren relativ konstant, wohingegen die Mortalität mit zunehmendem Alter ansteigt. Insgesamt ist die Mortalität des Prostatakarzinoms seit Einführung des prostata-spezifischen Antigen (PSA) Screenings vor mehr als 25 Jahren jedoch kontinuierlich gesunken.

Die aktuellen Herausforderungen in der Diagnostik und Therapie des Prostatakarzinoms bestehen darin, biologisch aggressive Tumore sicher von biologisch nicht aktiven Tumoren zu unterscheiden. Autopsiestudien zeigen, dass 60 % aller 70-jährigen Männer an einem Prostatakarzinom leiden. Eine präzise Diagnostik dieser Erkrankung ist daher von großer Bedeutung, um den Patienten der entsprechenden Risikogruppe zuweisen zu können. Dies kann zusätzlich die Kosten und den psychologischen Stress für Patienten, welche an einem biologisch nicht aktiven Tumor leiden, reduzieren. Gleichzeitig sollen Patienten mit einem biologisch aggressiven Tumor der bestmöglichen Therapie, mit dem niedrigsten Nebenwirkungsprofil, zugewiesen werden.

Screening

Verschiedene große, randomisierte Studien haben versucht, die Frage zu beantworten, ob ein großflächiges PSA-Screening die prostatakarzinom-spezifische Mortalität reduzieren kann. Die qualitativ beste Studie, die europäische ERSPC-Studie (European Randomized Study of Screening for Prostate Cancer) hat insgesamt 182.160 Männer eingeschlossen und konnte zeigen, dass ein regelmäßiges Screening nach neun Jahren zu einer 20%igen Reduktion der prostatakarzinom-spezifischen Mortalität führt. Die Nachkontrolle der Männer nach 11 und 13 Jahren konnte die initialen Ergebnisse bestätigen [23]. Zeitgleich zur europäischen Studie wurde die amerikanische PLCO-Studie (Prostate, Lung, Colorectal, and Ovarian Cancer Screening Trial) durchgeführt, in welcher 76.693 Männer eingeschlossen und nachkontrolliert wurden [4]. Im Gegensatz zur ERSPC-Studie konnte die initiale Auswertung der PLCO-Studie keine Mortalitätsreduktion durch regelmäßiges PSA-Screening aufzeigen, was zu einer langen Diskussion unter Fachleuten und in den Medien geführt hat. Eine erneute Auswertung der Daten konnte zeigen, dass in dieser Studie viele Patienten in der…

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