Erschienen in Ausgabe 4-2018Trends & Innovationen

Brustkrebs – Screening, Therapie, Prognose

Aus dem Brustzentrum St. Gallen (Chefarzt Dr. Beat Thürlimann)

Von Dr. med. Thomas Ruhstaller und Dr. med. Patrik Weder und Dr. med. Ursina Zürrer-HärdiVersicherungsmedizin

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MAMMOGRAFIE-SCREENING

PD Dr. med. Thomas Ruhstaller, Stv. Chefarzt, Brustzentrum St. Gallen

 

Was ist ein Screening?

Der Begriff „Screening“ bedeutet „Siebung“ oder „Rasterung“. Im medizinischen Bereich beschreibt dies ein systematisches Testverfahren, um innerhalb eines bestimmten Prüfbereichs bestimmte Eigenschaften der Prüfobjekte zu identifizieren. Ein Screening ist somit ein auf bestimmte Kriterien ausgerichteter, orientierender „Siebtest“. Es ist primär eine „Public Health“-Maßnahme, keine medizinische Intervention. Im Falle des Mammografie-Screenings handelt es sich um zwei von verschiedenen Seiten angefertigte Röntgenaufnahmen der Brust, mit welchen nach asymptomatischem Brustkrebs gesucht („gesiebt“) wird. Das Ziel ist also keine Prävention von Brustkrebs, sondern eine Früherkennung von möglichst kleinen Formen des Brustkrebses, bevor dieser sich weiter ausbreiten und Ableger verursachen kann.

 

Qualitätskontrolliertes Programm versus opportunistisches Screening

Wenn z. B. im Rahmen einer gynäkologischen Kontrolle empfohlen wird, eine Mammografie durchzuführen, nennt man dies opportunistisches Screening. Im Gegensatz dazu steht ein qualitätsbezogenes Programm, das flächendeckend in einem ganzen Land oder in unseren Breitengraden von einem Kanton der ganzen weiblichen Bevölkerung angeboten wird. Dabei wird der „Filter“ eingestellt, d. h. beschränkt auf Frauen zwischen 50 und 70 Jahren und Durchführung alle zwei Jahre, also insgesamt zehnmal. Der Grund dafür ist, dass in diesem Alter Brustkrebs am häufigsten auftritt, und die Wahrscheinlichkeit am höchsten ist, etwas zu finden. Bei jüngeren Frauen kann auch gescreent werden, aber die Mammografie-Untersuchung ist bei jüngeren Frauen oft noch weniger aussagekräftig, da noch mehr Brustdrüsengewebe vorhanden und damit die Brust röntgendichter ist. Obwohl das Screening auch bei unter 50-jährigen und über 70-jährigen funktionieren kann, beschränkt sich das Programm meist auf eine eingestellte Filtergröße, da es sich eben um eine gesundheitspolitische Maßnahme handelt, also Aufwand und Kosten mit dem Ertrag für die Gesamtbevölkerung abgeschätzt wird und nicht individuell.

Der große Unterschied zwischen einem qualitätskontrollierten Programm und einem opportunistischen Screening besteht im Wort „Qualität“. Im einen Programm werden viele für gute Qualität wichtige Parameter vorgeschrieben. Die das Röntgenbild durchführende Radiologie-Assistentin muss speziell für die Mammografie geschult sein, die…

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