Erschienen in Ausgabe 4-2018Trends & Innovationen

Aktuelle Therapiekonzepte zur Rekonstruktion der Arm- und Handfunktion bei Tetraplegikern

Von Dr. med. Silvia Schibli und Sabrina Koch-Borner und Prof. Dr. med. Jan FridénVersicherungsmedizin

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EINLEITUNG

Jedes Jahr erleiden in den industrialisierten Ländern 30–40 Personen/1 Mio. Einwohner eine Querschnittslähmung, wobei in fast 50 % das Halsrückenmark betroffen ist. In einem kurzen Augenblick verändert sich das Leben der Betroffenen einschneidend. Die oft jungen und aktiven Patienten verlieren plötzlich teilweise oder vollständig ihre Mobilität, Eigenständigkeit und Erwerbsfähigkeit. Bei Patienten mit einem Läsionsniveau unterhalb C5 ist oft noch eine minimale Restfunktion der oberen Extremitäten vorhanden. Diese Restfunktion bestimmt das Leben der Betroffenen entscheidend und kann eine gewisse Unabhängigkeit im Alltag gewährleisten. Die Wiedererlangung der Arm- und Handfunktion wird von den meisten Tetraplegikern als weit wichtiger eingestuft als die Kontrolle über Blase und Darm, Gehfähigkeit und  Sexualfunktion [1]. Über 77 % von 565 befragten Tetraplegikern in Holland und England geben an, von einer Verbesserung der Handfunktion eine wesentliche Steigerung der Lebensqualität zu erwarten [2].

Durch die chirurgischen Pionierleistungen des Handchirurgen Erik Moberg aus Schweden in den 70er Jahren entwickelte sich die rekonstruktive Handchirurgie zu einer anerkannten Behandlungsform in der Wiederherstellung der Handfunktion bei Tetraplegikern. Über 60 % aller Tetraplegiker können gemäß Moberg von einem rekonstruktiven Eingriff profitieren [3].

„Their hands are their life!“ (Erik Moberg)

Die klinischen Resultate nach rekonstruktiven Eingriffen sind sehr ermutigend. In mehreren kürzlich publizierten Studien konnte eine wesentliche Verbesserung von vielen täglichen Aktivitäten, wie z. B. Rollstuhlfahren [4], selbstständig Essen [5], Selbstkatheterisieren, Schreiben usw., und damit eine gewisse Unabhängigkeit im Alltag [6] nachgewiesen werden.
Die sicheren und funktionell zuverlässig guten Ergebnisse nach rekonstruktiven Eingriffen, welche wir heute erreichen können, beruhen auf Grundlagenstudien zur Muskelphysiologie sowie auf klinischen Studien zur Verbesserung der Operationstechniken und der postoperativen Rehabilitation [7]. Leider haben trotz der guten operativen Möglichkeiten nicht alle Betroffenen Zugang zur Tetrahandchirurgie. Mit ein Grund dafür könnte mangelnde Information [8] oder aber auch ein fehlendes Netzwerk zwischen Rehabilitationsärzten und Handchirurgen sein [9].

Aktuelle Therapiekonzepte zur Rekonstruktion der Arm- und Handfunktion bei Tetraplegikern Summary

ZUSAMMENFASSUNG

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