Erschienen in Ausgabe 3-2018Köpfe & Positionen

Sind PDE-Hemmer nach einer radikalen Prostatektomie medizinisch notwendig?

Von Dr. med. Rainer HakimiVersicherungsmedizin

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Ein 67-jähriger Patient erhielt wegen eines lokal begrenzten Prostatakarzinoms (pT2c Gleason 3 + 4 = 7a) eine kurative laparoskopische roboterassistierte Operation nach DaVinci entsprechend der S3-Leitlinie zur Behandlung des Prostatakarzinoms.

In der Anamnese waren weiterhin bekannt: Z. n. Bandscheibenoperation vor einigen Jahren, Diabetes mellitus, arterielle Hypertonie, Urgeblase und Obstipation.

Postoperativ erhielt der Patient den PDE-Hemmer Tadalafil in der Dosis von 5 mg täglich als Bestandteil der Rehabilitation. Dies sei erforderlich, um der Verkümmerung der Sexualorgane entgegenzuwirken und die Wiederherstellung der Kontinenz positiv zu beeinflussen.

Frage an den Gesellschaftsarzt:

Ist die Behandlung mit Tadalafil nach radikaler Prostatektomie im vorliegenden Fall medizinisch notwendig?

Beurteilung:

Aus den eingereichten Berichten ist erkennbar, dass bei dem Patienten nach der Operation eine gute Frühkontinenz und eine gute Erektionsfähigkeit bestand. Dies bereits vor Beginn der stationären Rehabilitationsbehandlung.

Tadalafil ist zugelassen zur Behandlung der erektilen Dysfunktion bei erwachsenen Männern.

Es besteht keine Zulassung zur generellen Gabe nach radikaler nerverhaltender Prostatektomie infolge Prostatakarzinoms. Auch besteht keine Zulassung im Sinne einer „sexuellen Rehabilitation“ nach radikaler Prostatektomie.

Im vorliegenden Fall liegt bereits sowohl eine Frühkontinenz als auch vor allem eine gute Erektionsfähigkeit laut eigenen Aussagen des VN vor. Insofern ist die Gabe von Tadalafil nicht medizinisch notwendig und bringt für den Patienten auch keine Vorteile. Aus ärztlicher Sicht ist im vorliegenden Fall das Arzneimittel zudem für den Patienten ungünstig, da Tadalafil zahlreiche, vor allem kardiale Kontraindikationen und Nebenwirkungen besitzt.

So ist Tadalafil kontraindiziert bei Patienten mit Herzinfarkt während der vorangegangenen drei Monate, sowie bei Patienten mit instabiler Angina pectoris oder Angina pectoris, die während sexueller Aktivität auftrat, sowie bei Patienten mit Herzinsuffizienz Schweregrad II oder höher (NYHA) sowie bei Patienten mit unkontrollierten Arrhythmien, Hypotonie oder unkontrollierter Hypertonie, sowie bei Patienten mit einem Schlaganfall während der vorausgegangenen sechs Monate. Auch bei besonderen Formen der Optikusatrophie kann eine Kontraindikation bestehen.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Nebenwirkungen wie z. B. Kopfschmerzen, Schwindel, verschwommenes Sehen, Hautrötung, Hypertonie, Hypotonie…