Erschienen in Ausgabe 3-2018Köpfe & Positionen

Ist Cannabis bei therapieresistentem chronischem Husten medizinisch notwendig?

Aus der HALLESCHE Krankenversicherung, Stuttgart (Leitender Gesellschaftsarzt Dr. Rainer Hakimi)

Von Dr. med. Rainer HakimiVersicherungsmedizin

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Eine 63-jährige Patientin hat seit Monaten einen therapieresistenten chronischen Husten. Als Grundkrankheit besteht ein Asthma bronchiale. Die behandelnde Fachärztin für Anästhesiologie und spezielle Schmerztherapie geht davon aus, dass der therapieresistente chronische Husten am ehesten auf einem hyperreaktiven Bronchialsystem bei Asthma bronchiale beruht. Eine pulmologische Mitbehandlung findet allerdings derzeit nicht statt. Durch den chronischen Husten sei es zu einer verspannten cervikothorakalen Muskulatur mit hohem Leidensdruck gekommen. Aus diesem Grund nehme die Patientin seit einigen Monaten Codicaps 30 mg, was aber zu starker Sedierung führe. Deshalb will die behandelnde Schmerztherapeutin auf einen Cannabisextrakt in öliger Lösung umstellen.

FRAGE AN DEN GESELLSCHAFTSARZT

Ist die Behandlung mit Cannabisextrakt im vorliegenden Fall bei chronischem Husten medizinisch notwendig?

Hintergrund: Seit die Vorschriften des Betäubungsmittelrechtes geändert wurden, darf jeder Arzt unabhängig von seiner Qualifikation Cannabis zu medizinischen Zwecken verordnen. Versicherte mit schwerwiegenden Erkrankungen haben Anspruch auf Versorgung mit Cannabis in Form von getrockneten Blüten oder Extrakten in standardisierter Qualität und auf Versorgung mit Arzneimitteln mit den Wirkstoffen Dronabinol und/oder Nabilon. Dies gilt dann, wenn eine allgemein anerkannte dem medizinischen Standard entsprechende Leistung entweder nicht zur Verfügung steht oder im Einzelfall nach der begründeten Einschätzung des behandelnden Arztes und unter Abwägung der zu erwartenden Nebenwirkungen und unter Berücksichtigung des Krankheitszustands des Versicherten nicht zur Anwendung kommen kann und eine nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine positive spürbare Einwirkung auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome besteht.

Die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft hat bereits 2015 die Studienlage zum therapeutischen Einsatz von Cannabinoiden untersucht.

Demnach haben Cannabinoide vielfältige Wirkungen und werden bei einer Vielzahl von Symptomen und Erkrankungen eingesetzt. Die Studien zu Cannabinoiden sind aber oft nur begrenzt aussagefähig, weil sie mit nur geringen Patientenzahlen und/oder über einen kurzen Zeitraum durchgeführt wurden. Wegen der psychotropen Wirkungen ist eine Verblindung der Studien in der Regel nicht möglich.

 

Einige Aussagen können aber gemacht werden:

 

Übelkeit und Erbrechen

Cannabinoide sind zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen…