Erschienen in Ausgabe 3-2018Trends & Innovationen

Alternative/unseriöse Diagnostik- und Therapieangebote in der Umweltmedizin

Versicherungsmedizin

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Aus der Fachhochschule Münster, Fachbereich Sozialwesen, Lehrgebiet Gesundheitswissenschaft und Sozialmedizin (Präsidentin: Prof. Dr. rer. pol. Ute von Lojewski)

EINLEITUNG

In der Versicherungsmedizin können umweltmedizinische Fragestellungen in unterschiedlichen Konstellationen auftreten; dieser Aufsatz betrachtet unfundierte und unseriöse Modelle, Angebote und Praktiken, die einen unweltmedizinischen Bezug herstellen. Er knüpft an eine frühere Veröffentlichung in der „Versicherungsmedizin“ aus dem Jahr 2006 an; seitdem hat sich insbesondere der Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit, aber auch das Angebot vorgeblicher umweltmedizinischer Experten verändert.

Vorweg geschickt sei noch einmal explizit, dass es hier nicht um den klassischen Arbeitsbereich der klinischen Umweltmedizin geht, der sich mit z. B. arbeitsplatzbedingten Risiken, dem Einfluss toxischer, allergener oder anderweitig als Noxen agierender Substanzen oder ionisierenden Strahlen in Umweltmedien (Boden, Wasser und Luft) befasst. Hier kann nur auf die einschlägigen Lehrbücher verwiesen werden.

Ebenso vorausgeschickt sei, dass es aus einer wissenschaftshistorischen Perspektive in der Umweltmedizin in der Vergangenheit oftmals verzögerte, auch von wirtschaftlichen/politischen Interessen behinderte Erkenntnis- und Handlungsprozesse gegeben hat.

Exemplarisch seien die Minimata-Erkrankung aufgrund chronischer Quecksilberbelastungen in der Nahrungskette in Japan oder die Thalidomidschädigungen bei ungeborenen Kindern (Contergan-Tragödie) genannt. Dazu gehört auch die nahezu vollständige Ignoranz gegenüber arbeits- und umweltmedizinischen sowie toxikologischen Gefahren in der Ländern des ehemaligen sozialistischen Herrschaftsbereichs in dem ideologischen Dogma, dass nur „kapitalistische“ Betriebe potenzielle Belaster, „sozialistische Kollektive“ dagegen qua „Volkseigentum“ fehlerfrei arbeiten müssten (DDR-Slogan: „Chemie bringt Brot, Wohlstand und Schönheit“). Die Folgen lassen sich rund um die immer noch strahlenden Reaktorruinen von Tschernobyl besichtigen, aber auch das ehemaligen „Chemiedreieck“ der DDR rund um Bitterfeld konnte nur durch aufwändige Sanierungen von einer bis in tiefe Bodenschichten verseuchten Mondlandschaft in Freizeit- und Naherholungsgebiete umgewandelt werden.

Daher gebietet es die wissenschaftliche Seriosität, zu betonen, dass das derzeitige Wissen – wie das Wissen zu jeder Zeit – ein begrenztes ist; auch in Zukunft wird es neue Erkenntnisse geben, die bis dahin als sicher…

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