Erschienen in Ausgabe 2-2018Köpfe & Positionen

Stationäre Behandlung bei Aortenklappeninsuffizienz im Notlagentarif

Von Dr. med. Rainer HakimiVersicherungsmedizin

Ein 79-jähriger, im Notlagentarif versicherter Patient entwickelte vier Wochen nach Rückkehr aus Thailand Husten, Beinödeme und Belastungsdyspnoe.

Sein Hausarzt wies ihn deshalb in eine internistische Abteilung zur stationären Behandlung ein.

Fragestellung: War die folgende dreiwöchige stationäre Krankenhausbehandlung im Notlagentarif medizinisch notwendig?

NOTLAGENTARIF

Die Leistungen im Notlagentarif entsprechen den medizinischen Leistungen des Asylbewerberleistungsgesetzes. Im Notlagentarif besteht ein Anspruch auf Leistungen für die Behandlung von akuten Erkrankungen und Schmerzzuständen sowie bei Schwangerschaft und Mutterschaft. Die Erstattungspflicht beschränkt sich hierbei auf ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Behandlung. Der Notlagentarif ist kein frei wählbarer Tarif in der privaten Krankenversicherung (PKV). Er unterliegt strengen Regularien und soll auf – möglichst vorübergehende – „Ausnahmesituationen“ beschränkt bleiben. Die Anwendung ist auf PKV-Versicherte begrenzt, die ihre Beitragsschulden nicht bezahlen können und aufgrund der bestehenden Versicherungspflicht weiter in der PKV versichert bleiben müssen. Es handelt sich de facto um einen „Nichtzahlertarif“.

WELCHE BEFUNDE LAGEN VOR?

Der Patient zeigte beidseits über den Lungen basal ein abgeschwächtes Atemgeräusch ohne Rasselgeräusche. Die Herztöne waren rein und regelmäßig. Der Blutdruck war mit 160/80 erhöht bei einem Puls von 79 pro Min. Der Patient war in adipösem Ernährungszustand und leicht reduziertem Allgemeinzustand.

Das Hämoglobin war auf 11,9 g/dl erniedrigt, das Kreatinin auf 1,6 mg/dl erhöht, die D-Dimere bei 14.000 µg/l, LDH bei 258 U/l, C-reaktives Protein bei 20,6 ng/l, Pro BNP bei 6.115 pg/ml. Zusätzlich bestand eine Neutrophilie mit Lymphozytose.

Die Echokardiografie ergab einen normal großen hypertrophierten linken Ventrikel mit guter systolischer linksventrikulären Funktion hyperkontraktil ohne segmentale Wandbewegungsstörungen. Es wurde ein Z. n. Aortenklappenersatz mit aktuell leichtgradiger Stenosekompenente und schwerer Insuffizienz festgestellt sowie eine leichtgradige Mitralklappeninsuffizienz und eine mittelgradige Trikusvitalklappeninsuffizienz, zusätzlich Perikardergüsse bds.

Die Pleuraergüsse wurden bds. punktiert. Die Herzkatheteruntersuchung zeigte eine Koronarsklerose, konnte aber eine stenosierende koronare Herzerkrankung ausschließen. Zusätzlich konnte die Aortenklappeninsuffizienz verifiziert werden.

Im Röntgenbild zeigte sich ein basaler Pleuraerguss links und ein kleiner Randwinkelerguss rechts sowie eine Unterlappenpneumonie links und Zeichen der kardialen Dekompensation mit pulmonaler Stauung bei Kardiomegalie.

Der Patient wurde zunächst mit Furosemid intravenös behandelt, später mit oralen Diuretika. Es erfolgten mehrere Pleurapunktionen. Insgesamt konnte eine Gewichtsreduktion von 8 kg erzielt werden.

Die stationäre Behandlung zur Rekompensation dauerte drei Wochen.

BEURTEILUNG

Wegen kardialer Dekompensation bei Aorteninsuffizienz mit Pleuraergüssen bds. und Beinödemen war die dreiwöchige stationäre Behandlung auch im Notlagentarif versichert, zweckmäßig und medizinisch notwendig.