Erschienen in Ausgabe 1-2018

Qualitätsmerkmale in der neurowissenschaftlichen Begutachtung

Von Prof. Dr. med. Harald DreßingVersicherungsmedizin

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Summary

Zusammenfassung

Die Prävalenz neuropsychiatrischer Erkrankungen in der Euro- päischen Union ist hoch und geht mit enormen ökonomischen Folgekosten einher. In diesem Kontext ergeben sich häufig so- zialmedizinische Fragestellungen, die im Rahmen einer neuro- wissenschaftlichen Begutachtung zu klären sind. Trotz des weit- verbreiteten Einsatzes von Gutachten und deren weitreichenden Konsequenzen ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dieser Thematik spärlich. Die vorliegende Arbeit will einen Beitrag zu einer kontinuierlichen Fort- und Weiterbildung auf dem Feld der neurowissenschaftlichen Begutachtung leisten. Dargestellt werden formale und inhaltliche Qualitätsmerkmale solcher Gutachten.

Summary

Quality standards in neuroscientific assessment
The prevalence of neuropsychiatric disorders in the European Uni- on is high and is accompanied by enormous economic costs. In this context medical evaluations are often needed to assess eligi- bility for work disability benefits. Despite their common use and far-reaching consequences the scientific discussion of this subject is sparse. This paper wants to contribute to a continuous training and education in the field of medical evaluation. Formal and contentual quality features are described.

Einleitung

In den OECD Ländern steigt die Zahl von Beschäftigten, die aufgrund einer Erkrankung oder Unfallfolgen finanzielle Ausgleichszahlungen erhalten. Gegenwärtige Schätzungen reichen von 0,4 bis 0,8 % pro Jahr [1]. Dabei kommt neuropsychiatrischen Erkrankungen eine herausragende Rolle zu. Aufgrund epidemiologischer Studien ist davon auszugehen, dass die jährliche Prävalenz neuropsychiatrischer Erkrankungen einschließlich der Abhängigkeitserkrankungen in der Europäischen Union 38 % beträgt. Die ökonomischen Folgekosten dieser Erkrankungen werden auf 789 Milliarden Euro geschätzt. Wenn man die Diagnosen des Alkoholmissbrauchs und der Nikotinabhängigkeit einbezieht, erhöhen sich diese Kosten um weitere 350 Milliarden [2].

In diesem Kontext ergeben sich häufig sozialmedizinische Fragestellungen von Versicherungen, anderen Leistungserbringern oder Gerichten, die im Rahmen einer neurowissenschaftlichen Begutachtung zu klären sind. Trotz des weitverbreiteten Einsatzes von Gutachten und deren weitreichenden Konsequenzen ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dieser Thematik spärlich. Durch eine intensivierte Ausbildung in der Begutachtung und durch Beachtung grundlegender Qualitätsstandards sollte…

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