Erschienen in Ausgabe 1-2018Trends & Innovationen

Neue Hepatitis-C-Medikamente: Potenzial zur Eliminierung der Epidemie

Aus dem Arud Zentrum für Suchtmedizin (Chefarzt Innere Medizin Dr. med. Philip Bruggmann)

Von PD Dr. Philip BruggmannVersicherungsmedizin

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HINTERGRUND

Der Name Hepatitis C (HCV) täuscht über den systemischen Charakter dieser Infektionskrankheit hinweg. Hepatitis C führt zu einer Entzündung der Leber, häufig gefolgt von einem langsam verlaufenden Vernarbungsprozess. Doch das durch Blut übertragbare Virus kann beinahe jedes Organ des menschlichen Körpers befallen und stellt einen relevanten Risikofaktor für Diabetes mellitus, Depression, Arteriosklerose und malignes Lymphom dar [1]. Die häufigsten extrahepatischen Symptome sind Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und Gelenkschmerzen. Durch eine erfolgreiche Hepatitis-C-Therapie können die erwähnten Folgen und Symptome meist behoben respektive deren Auftreten verhindert werden [1]. Einige neulich publizierte Studien beschreiben einen erheblichen negativen Einfluss der chronischen Hepatitis C auf die Arbeitsproduktivität [2, 3].

Die Krankheitslast von Hepatitis C geht also weit über die Leber hinaus [4]. Dies zeigen auch die Mortalitätsdaten. Eine chronische Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus geht nicht nur mit einer gesteigerten Leberbedingten Mortalität einher, auch die Gesamtsterblichkeit ist erhöht. Dies wird in erster Linie mit den HCV assoziierten kardiovaskulären Risikofaktoren, Diabetes mellitus und Arteriosklerose erklärt [5]. In der Schweiz sterben fünfmal mehr Personen an den Folgen von Hepatitis C als an denen von HIV.

Schätzungen für die Schweiz gehen von ca. 40.000 chronisch infizierten Hepatitis C Trägern aus, dies entspricht einer Prävalenz von ca. 0.5 % [6]. Im Vergleich dazu geht man in unserem Land von ungefähr 15.000 HIV Betroffenen aus. Die Zahl der jährlich neu gemeldeten Fälle im nationalen Meldewesen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) beträgt ca. 1500, wobei davon nur ein kleiner Teil akute Infektionen darstellt. Sowohl die Prävalenz als auch die Inzidenz hat seit den 1990er-Jahren deutlich abgenommen.

Die zuvor erwähnte eingeschränkte Arbeitsproduktivität durch Hepatitis C erlangt zusätzliche Bedeutung durch den Fakt, dass in der Schweiz die Jahrgänge 1950 bis 1985 überdurchschnittlich häufig betroffen sind. Diese Jahrgänge machen mehr als 70 % der gesamten HCV Population aber nur gut 30 % der Schweizerischen Bevölkerung aus [7].

VERSORGUNGSSITUATION

Aufgrund der vorhandenen epidemiologischen Zahlen und darauf basierenden Schätzungen wird davon ausgegangen, dass in der Schweiz nur etwa ein Drittel der Hepatitis C Betroffenen getestet sind. Dies ist einerseits auf die fehlenden spezifischen Symptome zurückzuführen, aber auch…

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