Erschienen in Ausgabe 1-2018Politik & Regulierung

Das neue belgische Reintegrationsgesetz – Die Aufgaben der Arbeitsmediziner und der Vertrauensärzte

Von Arie Machiel RijkenbergVersicherungsmedizin

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Summary

Zusammenfassung

Am 1. 12. 2016 ist in Belgien ein neues Gesetz bezüglich der Reintegration von Arbeitnehmern in Kraft getreten. Der neu eingeführte königliche Erlass hat zum Ziel die Wiedereingliederung von Langzeitkranken zu verbessern. In diesem Artikel wird u. a. näher darauf eingegangen, welche Aufgaben dabei die Arbeitsmediziner und die Vertrauensärzte haben.

Summary

The New Belgian reintegration law – The duties of occupational physicians and medical officers

On 1st December 2016 the new Belgian law about the vocational reintegration became effective. The aim of this Royal Decree is to improve the reintegration of employees with long-term illnesses. In this article the tasks of occupational physicians and medical officers will be explained.

EINLEITUNG

Wie in vielen anderen Ländern steigen auch in Belgien die Kosten für den Krankenstand. Ende 2015 zählte man 346.971 Arbeitnehmer im Langzeitkrankenstand. Gegenüber 2009 war dies eine Steigerung von rund 40 % [1]. Besonders die steigenden Zahlen bei psychischen Erkrankungen (Burn-Out, Stress …) sind besorgniserregend. Jeder vierte Belgier fühlt sich nicht wohl und gibt dafür psychische Probleme als Ursache an [1]. Belgien folgt damit einem internationalen Trend. Ebenso entstehen durch orthopädische Erkrankungen viele Krankenstandstage, beispielsweise in den Pflegeberufen [1]. Dies nahm die Gesundheitsministerin Maggie de Block im Jahr 2015 zum Anlass, um ein Reintegrationsgesetz auszuarbeiten. Das Hauptziel war dabei, die Anzahl der sich im Langzeitkrankenstand befindlichen Arbeitnehmer zu verringern und somit die Kosten für den Sozialstaat zu senken. Dieses Gesetz trat vor gut einem Jahr in Kraft [2].

DIE BELGISCHE DEFINITION DES BETRIEBS- UND DES VERTRAUENSARZTES

Die Aufgaben des Arbeitsmediziners sind jenen des deutschen Betriebsarztes sehr ähnlich. Allein dürfte der deutsche Betriebsarzt etwas klinischer tätig sein. Zum Beispiel werden in Belgien Belastungs-EKGs üblicherweise nicht durch den Arbeitsmediziner ausgeführt, sondern ausgelagert. Sie haben aber – im Gegensatz zu den Niederlanden – grundsätzlich eine präventive Aufgabe und dürfen den Krankenstand nicht kontrollieren. Vertrauensärzte sind im Fall der Reintegration vergleichbar mit den Sozialmedizinern des MKDs oder den „Chefärzten“ in Österreich. Belgien selbst kennt jedoch eine eigene vierjährige Weiterbildung zum Facharzt, welche die Versicherungsärzte unter anderem auch dazu befähigt bei Privatversicherungen etc. tätig zu…

Reintegrationsgesetz · Wiedereingliederung · Langzeitkranke