Versicherungsmedizin: 04/2018
1-2018
1-2018
April 2018
Dr. Achim Regenauer
Editorial
Editorial

Sehr geehrte Damen und Herren,

„Künstliche Organe – drucken statt züchten“ oder „Das erste Baby, welches 200 Jahre alt wird, ist bereits geboren“ ... Solche verblüffenden Nachrichten strömen ungefiltert auf uns ein und hinterlassen mehr Fragen als Antworten. Selbst Experten tun sich schwer mit dem Verständnis und dem Einordnen des galoppierenden medizinischen und technologischen Fortschritts – schließlich verdoppelt sich das biomedizinische Wissen jetzt schon alle zwei Jahre. Im digitalen Zeitalter der Big-Data-Techniken und Methoden der künstlichen Intelligenz versprechen Softwarelösungen schnelle Analysen und Therapievorschläge. Damit liegt eine besondere Herausforderung für den Menschen darin, immer mehr und schneller neues Wissen einordnen und anwenden zu können. Genauso sind frühzeitig die Auswirkungen auf das eigene Verantwortungsumfeld zu erkennen. In verständlicher Sprache eine Orientierung zu finden, was für die Personenversicherung wirklich wahr und relevant ist, ist bei der Fülle von Tageszeitungen und Fachzeitschriften, sozialen Medien,
kommerziellen Interessen und Fakenews wahrlich keine einfache Aufgabe. Dies betrifft gleichermaßen die privaten Versicherungen, allen voran Leben- und Krankenversicherungen,
aber auch die Haftpflicht-, Unfall-, Kfz-Versicherungen sowie Sozialversicherungsträger aller Art und gutachtend tätige Ärzte. Für alle ist es wünschenswert, eine Art Kompass zu erhalten, der aufzeigt, welche Auswirkungen sich für unser Alltagsgeschäft einstellen. Dabei gilt es zudem, Entwicklungen kritisch zu beleuchten und zu hinterfragen, also sich aktiv am branchenweiten, aber auch am gesellschaftlichen Diskurs zu beteiligen. Ich verweise hier auf frühere Debatten zu HIV- und Gentests, Unisexprämien, Diskriminierung psychisch Kranker u. a.

Gut, werden Sie, liebe Leserinnen und Leser sagen – hehre Worte für ein Editorial – muss wohl sein!? Ja, aber aus einem besonderen Grund: Ich habe zuvor das Verständnis der neuen, aber zugleich seit vielen Jahrzehnten etablierten Zeitschrift Versicherungsmedizin skizziert. Dass dieses Verständnis aktiv gelebt wird, zeigt sich auch in der Ausweitung der Schriftleitung, um gemeinsam, auf mehrere Schultern verteilt, den gewachsenen Ansprüchen und Notwendigkeiten angemessen gerecht werden zu können. Neben den Aspekten der Erst- und der Rückversicherung werden die Medizinwissenschaft, Ethik, die gesellschaftspolitischen und die rechtlichen Perspektiven durch entsprechende, erfahrene und ausgewiesene Experten abgedeckt sein. So wollen wir uns gemeinsam dafür einbringen, dass diese Zeitschrift sich mehr und mehr zu einem modernen, agilen Hub entwickelt. Hier werden uns die digitalen Technologien des Verlags wirklich neue Optionen bieten.

Wir denken vernetzt. Das gilt sowohl in Hinblick auf unsere Leserschaft, also alle Fachbereiche und Berufsdisziplinen, die direkt oder indirekt mit Mortalität und Morbidität zu tun haben. Es gilt aber auch für die geografische Reichweite. Hier werden wir den Untertitel unserer Zeitung „European Journal of Insurance Medicine“ aktiv leben. Unsere Schweizer Kollegen haben bereits zwei Beiträge in die aktuelle Ausgabe eingebracht, mit den österreichischen Kollegen stehen wir im Austausch. Seien Sie nicht überrascht, wenn Sie auch englischsprachige Originalartikel lesen werden.

Zu guter Letzt habe ich als Schriftleiter noch eine Bitte: Lehnen Sie sich nicht nur zurück beim Lesen dieser Zeitschrift, sondern beteiligen Sie sich auch aktiv mit Kommentaren, Fragen, Wünschen und Anregungen. Denn jede Zeitschrift ist nur so gut wie ihre Autoren und ihre Leserschaft!

Dr. Achim Regenauer

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