Erschienen in Ausgabe 1-2017Gesellschaft & Verantwortung

Nicht medizinisch notwendige intravenöse Eiseninfusionen im „Eisenkompetenzzentrum“

Von Versicherungsmedizin

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Eine 49-jährige Frau aus einer deutschen Kleinstadt begibt sich in die Behandlung einer praktischen Ärztin, deren Praxis die Bezeichnung „Eisenkompetenzzentrum“ führt. In diesem Eisenkompetenzzentrum, das auch traditionelle chinesische Medizin anbietet, werden ein Eisenmangelsyndrom und ein HWSSyndrom diagnostiziert. 

Es wird eine Rechnung über knapp 1100 Euro eingereicht, die eine regelmäßige intravenöse Infusionstherapie mit FerMed sowie eine Behandlung mit Akupunktur, Hautdrainagen und
Auftragen von Externa umfasst. 

Der Gesellschaftsarzt wird um die Beurteilung der medizinischen Notwendigkeit dieser Behandlung gebeten.

DIAGNOSTIK

Bei der Überprüfung der Diagnose des Eisenmangelsyndroms fällt auf, dass zwar eine umfangreiche Laboruntersuchung auf Basislaborwerte wie Kalium, Natrium, Calcium, Harnsäure, Harnstoff, Kreatinin, Triglycerin, Cholesterin, HDL, LDL, Bilirubin und Transaminasen sowie HbA1c und Blutsenkungsgeschwindigkeit durchgeführt wird. Ferritin und Serumeisen fehlen aber bei dieser Untersuchung völlig. Stattdessen wurde Cystatin C und die Cystatin Clearance untersucht. Das Hämoglobin war im unteren Normbereich, Hämatokrit und MCV waren ganz diskret vermindert, MCH, MCHC, Leukozyten und Thrombozyten sowie Erythrozyten waren im Normalbereich. Auch die übrigen Laborwerte waren unauffällig. 

Beschwerden wurden vonseiten der Patientin nicht angegeben. Ein Eisenmangel oder gar eine Eisenmangelanämie konnte aufgrund der vorliegenden Untersuchungen und Befunde nicht bestätigt werden.

Das Medikament FerMed ist zugelassen zur intravenösen Behandlung von Eisenmangelzuständen, sofern eine orale Therapie nicht möglich oder nicht effektiv ist. Die beschriebenen Anwendungsgebiete tragen den Zusatz: FerMed darf nur gegeben werden, wenn die Indikation durch geeignete Untersuchungen bestätigt worden ist. 

Kontraindikationen sind eine schwere bekannte Überempfindlichkeit gegen andere parenterale Eisenpräparate und eine nicht durch Eisenmangel bedingte Anämie sowie Anzeichen
von Eisenverwertungsstörungen.

NEBENWIRKUNGEN UND GEFAHREN

Injektionen und Infusionen von Eisenpräparaten sind nicht immer ungefährlich. Die in der medizinischen Fachinformation genannten Warnhinweise besagen, dass parenteral verabreichte Eisenpräparate Überempfindlichkeitsreaktionen einschließlich schwerwiegender potenziell tödlich verlaufender anaphylaktischer Reaktionen hervorrufen können. Solche Überempfindlichkeitsreaktionen können auch auftreten, wenn Eisenpräparate bisher…