Erschienen in Ausgabe 1-2017Trends & Innovationen

Begutachtung der Borreliose

Von Wolfgang HausotterVersicherungsmedizin

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EINLEITUNG

Die Begutachtung der Borreliose stellt eine besondere Herausforderung dar. Immer häufiger tragen Antragsteller auf Leistungen vielfältige, meist unspezifische Beschwerden vor,
durch die sie sich subjektiv in ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigt fühlen. Sie machen dafür – oft unterstützt durch ihre behandelnden Ärzte – in vielen Fällen eine Borreliose verantwortlich. Als Beleg wird auf erhöhte Borrelien-Antikörpertiter verwiesen und meist auf eine Persistenz ihrer Beschwerden trotz durchgeführter Antibiotikatherapie. Tatsächlich finden sich in der Mehrzahl der Fälle Symptomkonstellationen und nicht selten biografische Faktoren, die eine somatoforme Störung nahelegen, was bei den Betroffenen meist auf Unverständnis stößt. Es ist Aufgabe des Gutachters, das organische Krankheitsbild der erregerbedingten Borreliose von den im gutachtlichen Alltag viel häufigeren nicht-organischen Störungen abzugrenzen.

GESCHICHTE DER BORRELIOSE

Bei der DNA-Sequenzierung der 5300 Jahre alten Gletschermumie „Ötzi“ von Similaun wurden DNA-Spuren von Borrelia burgdorferi gefunden und damit der älteste dokumentierte Fall von Borreliose [20].

Das Erythema migrans beschrieb erstmals 1909 der schwedische Dermatologe Afzelius. 1922 wurden neurologische Symptome von den Franzosen Garin und Bujadoux und 1941
von dem Münchner Neurologen Bannwarth als eigenständiges Krankheitsbild, der Radikulomyelomeningitis bzw. Meningopolyneuritis zusammengefasst. 1975 fand sich in dem
Ort Lyme in USA eine Häufung von entzündlichen Gelenkerkrankungen, die zunächst als juvenile rheumatoide Arthritis gedeutet wurden. Später fielen zusätzliche kardiale Symptome
auf, ebenso nicht selten gleichzeitig eine Lymphadenosis benigna cutis. Schon lange Zeit zuvor kannte man auch eine andere Hauterkrankung, die Acrodermatitis chronica atrophicans.

1982 konnte von Burgdorfer in den USA als der gemeinsame Erreger all dieser Krankheitserscheinungen die später nach ihm benannte Spirochäte Borrelia burgdorferi identifiziert werden. Er konnte schließlich den Erreger in Zecken nachweisen und damit auch den Übertragungsmodus [23].

Die Vielfalt des Erregers machte die Einführung des Oberbegriffs „sensu lato“ abgekürzt „s.l.“ notwendig. 1985 einigte man sich in einem Symposium auf die Krankheitsbezeichnung
„Lyme-Borreliose“ (ICD-10 A 69.2) für das gesamte Spektrum der damit verbundenen Manifestationen.

ÜBERTRAGUNGSMODUS

In Mitteleuropa ist der „Gemeine Holzbock“, die Schildzecke Ixodes ricinus die häufigste…